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Many Arms – Many Arms

December 21, 2012

Nach zwei vollwertigen Alben und einer EP erscheint das nach selbstbetitelte dritte Album des Trios Many Arms aus Philadelphia auf John Zorn’s Label Tzadik. Neben dem Prestigegewinn für die Band, welches dieses Label mit sich bringt, ist auch der Sound im Vergleich mit den vorherigen Aufnahmen spürbar besser geworden. Zusammen mit der ungebrochenen Weiterentwicklung des Stils ergibt Many Arms das für die Band beste und reifste Werk.

Drei Musiker und drei lange Stücke gibt es hier, jeweils geschrieben von einem der Drei. Das Album beginnt mit voller Wucht: Beyond Territories von Nick Millevoi startet mit einem hektischen Gitarrenriff, begleitet von Bass und Schlagzeug, welches mehrmals wiederholt wird. Solange, dass man zwischenzeitlich doch die Anzeige checkt, ob sich die CD überhaupt noch weiterdreht. Nach gut zweieinhalb Minuten aber befreit man sich aus diesem Korsett und die Gitarre ist endlich frei zum durchstarten. Wie von der Tarantel gestochen bahnen sich die vielen Noten unaufhaltsam und mit voller Geschwindigkeit durch das ebenfalls recht hektische Bass-Schlagzeug-Geflecht. Die Repetitiverei wird aber nicht ganz aufgegeben. Immer wieder gibt es Stellen, an denen ziemlich lange und komplexe Muster wiederholt werden. Es ist ein Hochgeschwindigkeitsrausch, in den man gnadenlos hineingezogen wird und man wird das Gefühl nicht los, dass das nicht lange gut gehen kann, denn irgendwann muss es doch einen Unfall geben. Aber das sind Profis, unaufhaltsam wird weitergemacht – nein, keine Pinkelpause an der nächsten Raststätte; ausgestiegen wird nicht, erst am Ziel, nach fast 17 Minuten, wenn der Track zu Ende ist.

Dann hat man Zeit sich den Angstschweiss abzuwischen, das Adrenalin zu senken und sich wieder zu sammeln. Denn In Dealing with the Laws of Physics on Planet Earth ist schön langsam und schleppend, aber nicht weniger intensiv als das vorherige Stück. Ebenfalls mit der hypnotischen Repetition arbeitend wird hier nach und nach eine extrem bedrohliche und geheimnisvolle Stimmung aufgebaut. Zwischendurch wird auf das Schlagzeug verzichtet, um die Atmosphäre beklemmender zu gestalten und um es dann wieder effektvoll als Steigerung einzusetzen. Erst gegen Ende gewinnt dieser Track an Fahrt und die Spannung entlädt sich dabei etwas. Dieses Stück, vom Schlagzeuger Ricardo Lagomasino, erinnert an die zeuhlig-düsteren Trips von Guapo, wie sie auf Five Suns oder Black Oni zu finden sind. Grosses Kino!

Track Nr. 3, Rising Artifacts In a Five-Point Field, geht dann wieder in die Richtung des ersten Stücks des Albums, auch wenn es diesmal ein bisschen wüster zugeht als auf dem Opener. Es erinnert mehr an die Tracks der vorherigen Alben von Many Arms. Eine schräge, pausenlose Tour de Force (im positiven Sinn natürlich) aus komplexem und vertracktem instrumentalen Trio-Rock ist das, bespickt mit einigen Solo Eskapaden. Diesmal komponiert von Basser Johnny DeBlase.

Insgesamt ein Album mit Musik die dem Hörer doch einiges abverlangt. Wer es eher gemütlich-melodiös mag ist hier definitiv falsch. Wer aber gern gefordert wird und eingängige Melodien als überbewertet ansieht, sollte auf jeden Fall ein Ohr riskieren. Anstrengend, aber gut!

Federico Chavez

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