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After Crying – Creatura

June 22, 2012

After Crying haben nach acht Jahren 2011 endlich wieder ein neues Studioalbum vorgelegt. Der Kern der Besetzung hat sich nicht groß geändert, und wie auch schon beim Vorgänger Show gibt es wieder viele Gastmusiker; diesmal sogar mehr als doppelt so viele.

Die Band hat im Verlauf ihrer Geschichte schon einige Male ihren Sound geändert. Das Konzeptalbum Show leitete damals wieder einmal eine neue musikalische Phase ein. Verschiedene Stilmittel wie Jazzrock, Klassik, Hardrock, Pop, Elektronik u.v.w. wurden sehr gekonnt zu einem homogenen Ganzen vereint; zwar mit einer ordentlichen Portion Bombast, jedoch relativ kitschfrei. Zwar gefallen mir die “moderne Klassik”-Sachen von After Crying mehr, aber Show war gut gemacht, sodass es doch immer wieder Spaß gemacht hat.

Nach den ersten paar Minuten von Creatura dachte ich, dass es hier wieder in dieselbe Richtung wie letztes Mal geht. Der Sound ist sehr ähnlich, es gibt viele Stilarten und es ist ein Konzeptalbum. (Was man daran erkennt, dass es offensichtlich aus vier Teilen besteht, die nach den Himmelsrichtungen benannt sind.) Aber diesmal funktioniert es nicht! Das Album ist völlig inhomogen, regelrecht zerstückelt und ergibt einfach keinen Sinn. Die verschiedenen Stile werden einfach trackweise aneinandergereiht; fast nach jedem Stück kommt etwas Anderes, was nicht zum Vorherigen passt. Zudem sind viele Songs banal und kitschig, wie manche „Klassikstücke“, und manche Stücke könnten geradezu als Schlager durchgehen.

Beispielsweise geht es los mit einem schnellen, bombastischen Intro, welches man von der Art her aus jedem klischeehaften Hollywoodfilm als Spannungserzeugungsmittel kennt. Ohne jeglichen Übergang geht es weiter mit einem rockigen Stück, welches ein bisschen angeprogt ist und mit einigen Trompeteneinsprengseln und instrumentalen, auflockernden Bridges versehen ist. Dazu der Gesang, der zwar erfreulicherweise wieder auf ungarisch ist, mich aber ziemlich nervt, da er recht penetrant ist. Weiter geht es plötzlich mit einem ruhigen Stück, getragen von Sprechgesang, Flöte und Oboe. Danach ist anscheinend der erste Teil fertig, denn es folgt – in leicht veränderter Fassung – wieder das Intro vom Anfang, das nun die zweite Suite einleitet. Hier bekommt man erst mal ein Trompetensolo, danach ein harmloses Klavierzwischenspiel aufgetischt – wieso? Keine Ahnung. Es folgt wieder ein gitarrendominiertes Stück, diesmal ganz instrumental, mit langem Gitarrensolo und später auch mit Trompetensolo. Nach diesem fetzigen und mitreißenden Stück, wovon man ein bisschen mehr haben könnte, kommt aber poppiger Kitsch mit Schlagertouch und viel Gesang im Vordergrund. Darauf folgt ein kurzes, ruhiges, fast nur durch Stimme vorgetragenes Stück, ausnahmsweise auf Englisch. An diesem wird ein Streichquartett angehängt, ganz nett eigentlich, aber wieder, wie fast jedes Stück, zum Rest unpassend. Nach einem seichtem Klavier- und Trompetenstück, folgt das leicht afrikanisch angehauchte Titelstück, indem die Worte „Creatura“ und „Undanda“ (oder so ähnlich) hypnotisch wiederholt werden. Damit ist dann der zweite Teil abgeschlossen, denn danach kommt wieder die kurze Filmmusik.

So geht es immer weiter. Es gibt zwar noch ein paar gute Stücke, wie sie auch in der ersten, oben beschriebenen Hälfte zwischendurch vorkamen, aber lose, ohne Kontext. Die Soundqualität ist gut, generell ein bisschen überproduziert, und alles ist sehr kompetent gespielt. Wie oben erwähnt, gibt es diesmal wieder bis auf ein paar Ausnahmen ungarische Texte. So sehr ich fremdsprachige Texte mag, ist der meist penetrante Gesang aber meiner Meinung nach eher nervig.

Allgemein rate ich aufgrund der Inhomogenität zur Vorsicht, es kann aber natürlich auch sein, dass Manche das als Stärke des Albums ansehen. Dargeboten ist das Ganze nämlich einwandfrei.

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