Skip to content

Diablo Swing Orchestra – Pandora’s Piñata

June 6, 2012

Das Diablo Swing Orchestra meldet sich nach drei Jahren und zum dritten Mal wieder. Das ordentliche Debüt haben sie mit ihrem Zweitling gut toppen können. Schaffen sie es wieder? Haben sie sich weiterentwickelt? Oder bekommt man das Gleiche nochmal aufgetischt?

Die Band ist zumindest mal gewachsen: Zwei ursprüngliche Gastmusiker sind aufgestiegen, sodass jetzt Trompete und Posaune fest zur Band gehören. Ansonsten wurde lediglich der Drummer ausgetauscht und die Sängerin nennt sich mit Nachnamen wieder Loegdlund. Auch die Anzahl Gastmusiker ist gewachsen, nun gibt es auch zwei Geigen und zwei Bratschen und man nähert sich so langsam wirklich einem richtigen Orchester an.

Ich gehe davon aus, der Leser kennt das teuflische Schwing-Orchester. Wenn nicht: im Wesentlichen mixen die Schweden mit viel Druck und Tempo Swing und Jazz mit metallischen Gitarrenriffs, angereichert mit verstärktem Cello und Operngesang, und lassen hier und da vor allem ein paar Bläser erklingen. Dabei liegt die Kunst vor allem an den sehr guten Arrangements, die über zum Teil simpel gestrickte Musik hinwegtäuschen. Wer mehr wissen will, schaut sich die Rezensionen zu Vorgängeralben an. Denn natürlich hat sich am Typ der Musik auf der dritten Veröffentlichung nichts radikal geändert. Fans können bedenkenlos wieder zugreifen. Aber es sind ein paar kleine Veränderungen auszumachen.

 

 
Die Trompete und die Posaune sind wie oben erwähnt nicht mehr Gäste, sondern bei vielen Songs deutlich herauszuhören. Das gibt dem Gesamtsound einen wesentlich stärkeren Bigband-Einschlag. Außerdem singt die Frau Loegdlund meistens clean – was hier bedeuten soll, dass sie ihre Stimmbänder nicht opernhaft malträtiert. Nur ab und zu wird es als Stilmittel eingesetzt, abgesehen von den zwei Stücken Aurora, das sich wirklich wie eine klassische Oper anhört und Kalli Ma Calibre, welches aufgrund der Streicher und dem Bolerorhythmus teilweise ebenfalls nach klassischer Musik klingt. Allgemein muss man sagen, dass es mehr ruhige Stellen gibt als früher, die für mehr Dynamik und für mehr Abwechslung im Sound sorgen. Ebenfalls wurden die Gitarrenriffs ein wenig heruntergeschraubt, dafür gibt es mehr „Orchester“ zu hören und – was mich früher mit der Zeit gestört hat – dieses immer-gleiche Gehüpfe in der Musik ist weniger geworden. Vor allem die Songs in der zweiten Hälfte des Albums sind abwechslungsreicher ausgefallen und kontrastieren mehr die verschiedenen Stile. Kompositorisch ist die Band also ein bisschen reicher geworden.

Mir gefällt dieses leichte Album mehr als der Vorgänger, aber dadurch, dass vieles nun zum dritten Mal ähnlich dargeboten wird, gleicht sich der Vorsprung wieder aus. Wie immer macht mir die Musik vom Diablo Swing Orchestra schnell Spaß, geht aber zu schnell ins Ohr und nutzt sich deswegen schnell ab. Erwähnenswert ist noch das letzte Stück, welches sich recht untypisch und relaxt mit akustischer Gitarre, Streichern, Trompete und Stimme aufbaut, bis am Ende auch der Rest der Band einsteigt und es noch ein letztes Mal richtig zum Streicher-Motiv rocken lässt. Als man dann zum Fade-Out ansetzt werden plötzlich kaputte Technosounds und Beats dazu gemischt und die Platte geht spektakulär zu Ende. Solche schrägere Einlagen bräuchte es mehr!

 

Federico Chavez

Leave a Comment

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: